Autor

Gabriel Schmitt

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Der Hafen von Romanshorn lag still an diesem Morgen. Die Luft war klar, fast kühl, und über dem Bodensee schwebte ein feiner Nebel, der die Berge am Horizont weich erscheinen ließ. Glockenläuten aus der Ferne mischte sich mit dem leisen Klatschen des Wassers gegen die Stege.

Daniel Meier stellte den Autoschlüssel in die Tasche und streckte sich.
„Also“, sagte er zufrieden, „genau so hab ich mir das vorgestellt. Schweiz, Bodensee, ein freier Tag.“

Seine Frau Anna Meier lächelte und zog die Jacke enger um die Schultern.
„Und endlich mal nichts planen. Einfach treiben lassen.“

„Das sagst du“, grinste Daniel. „Du planst sogar das Nicht-Planen.“

Hinter ihnen kamen ihre Freunde näher:
Lukas Baumann, etwas verträumt, mit dem Blick eines Menschen, der oft in Gedanken versinkt,
Sophie Keller, aufmerksam, ruhig und immer die Erste, die Details bemerkt,
und Matthias Vogel, der schon beim Gehen Witze machte.

„Da vorne“, rief Matthias, „das muss sie sein.“

Am Steg lag eine elegante Yacht. Weißer Rumpf, glänzende Reling, dunkles Holzdeck. Auf dem Heck stand ihr Name:

„Alba Lacus“

Anna blieb stehen.
„Wow… die ist wirklich wunderschön.“

Daniel nickte anerkennend.
„Fast zu schön, um wahr zu sein.“

Lukas sagte nichts. Er starrte auf die Yacht, als hätte er sie schon einmal verabschiedet – oder wiedergefunden.

Sophie bemerkte es sofort.
„Lukas? Alles gut?“

Lukas blinzelte, als käme er gerade aus einem anderen Raum.
„Ich… kenne dieses Boot.“

Matthias lachte.
„Klar kennst du es. Das ist Liebe auf den ersten Blick.“

Lukas schüttelte langsam den Kopf.
„Nein. Ich meine… ich kenne es wirklich.“

Daniel sah ihn neugierig an.
„Jetzt bin ich gespannt.“

Lukas trat näher an die Reling, las noch einmal den Namen.
„Ich hab diese Yacht schon einmal gesehen. Vor vielen Jahren. In einem Traum.“

Anna hob die Augenbrauen.
„Ein Traum?“

Lukas nickte.
„Ich war jung. Vielleicht siebzehn. Und dieser Traum ist mir bis heute geblieben.“

Sophie verschränkte die Arme.
„Was für ein Traum?“

Lukas atmete tief ein.
„Ich war in einem alten Haus. Dicke Wände, kalt, ein bisschen feucht. In einer Wand war eine schmale Ritze. Und darin steckte eine Flasche.“

Matthias grinste sofort.
„Bitte sag mir, da war eine Karte drin.“

„Ja“, sagte Lukas leise. „Eine handgezeichnete Karte. Und draußen… am Wasser… lag genau diese Yacht.“

Für einen Moment sagte niemand etwas.

Daniel brach schließlich das Schweigen.
„Entweder ist das der größte Zufall des Jahres… oder wir sollten besser hinschauen.“

Anna lächelte.
„Ich bin für hinschauen.“

Sophie seufzte, aber ein kleines Lächeln verriet ihre Neugier.
„Na gut. Aber nur kurz.“

An Bord roch es nach Holz und See. Daniel startete den Motor, während Anna die Leinen löste. Lukas ging langsam durch die Yacht, als würde er auf etwas warten.

„Wonach suchst du?“ fragte Sophie.

„Nach der Ritze“, antwortete Lukas. „Im Traum war sie versteckt. Nicht sofort sichtbar.“

Matthias klopfte auf eine Wand.
„Also Schatzsuche im Bauch der Yacht. Das wird mir gefallen.“

Sie öffneten Staufächer, hoben Polster an, leuchteten mit dem Handy in dunkle Ecken. Nichts.

„Siehst du“, sagte Sophie. „Nur ein Traum.“

Gerade wollte Daniel zustimmen, als Anna plötzlich stehen blieb.
„Moment… schaut mal hier.“

Sie zeigte auf eine schmale Spalte hinter einer Holzverkleidung nahe dem Bug.

Daniel kniete sich hin.
„Das ist… tatsächlich eine Ritze.“

Lukas’ Herz schlug schneller.
„Genau so.“

Daniel griff vorsichtig hinein – und zog etwas heraus.

Eine Glasflasche. Staubig. Alt. Mit einem Korken verschlossen.

Matthias stieß einen leisen Pfiff aus.
„Das… ist jetzt nicht mehr normal.“

Sophie starrte ungläubig.
„Das gibt’s doch nicht.“

Lukas flüsterte:
„Das ist sie.“

Anna nahm die Flasche behutsam.
„Da ist etwas drin.“

Daniel holte einen Korkenzieher.
„Dann finden wir jetzt heraus, warum sie hier ist.“

Der Korken löste sich mit einem leisen Plopp. Ein zusammengerolltes Papier fiel auf den Tisch.

Sie breiteten es aus.

Eine handgezeichnete Karte des Bodensees. Grob, aber erkennbar. Kleine Notizen, Markierungen – und ein deutliches X.

Sophie beugte sich darüber.
„Das Kreuz liegt… nicht weit von hier. Vielleicht zwanzig Minuten Fahrt.“

Matthias grinste breit.
„Also ändern wir den Plan.“

Anna sah Daniel an.
„Was meinst du?“

Daniel zuckte mit den Schultern.
„Wir wollten treiben lassen. Jetzt haben wir eine Richtung.“

Lukas nickte ernst.
„Wenn wir da nicht hinfahren, werde ich mich ewig fragen, was dort gewesen wäre.“

Die Yacht glitt hinaus auf den offenen Bodensee. Die Sonne stand nun höher, das Wasser funkelte. Die Alpen zeichneten sich klar am Horizont ab.

„Stellt euch vor“, sagte Matthias, „wir finden eine alte Truhe.“

Sophie schüttelte den Kopf.
„Oder nichts.“

Anna lachte.
„Beides ist okay.“

Daniel stand am Steuer, als plötzlich etwas seine Aufmerksamkeit erregte.
„Seht ihr das?“

Ein heller Glanz tanzte auf der Wasseroberfläche, intensiver als die übrigen Lichtreflexe.

Lukas’ Augen weiteten sich.
„Das muss es sein.“

Die Yacht änderte den Kurs.

Alle waren so aufgeregt, dass niemand auf die Tiefe achtete.

Dann – ein dumpfer Ruck.

Stille.

Sophie blickte auf die Anzeigen.
„Wir sitzen fest.“

Daniel lehnte sich über die Reling – und erkannte es sofort.
„Das ist keine Truhe.“

Matthias sah ebenfalls hin.
„Das ist Sand.“

Anna begann zu lachen.
„Das Glitzern… das waren nur Sonnenstrahlen.“

Lukas lachte ebenfalls, erleichtert.
„Also kein Schatz.“

„Doch“, sagte Sophie und lächelte.
„Ein sehr guter.“

Sie stiegen ins seichte Wasser und gingen an Land. Die Yacht lag ruhig auf einer kleinen Sandbank, nur wenige Meter vom Ufer entfernt.

Anna setzte sich ins Gras.
„Ein Traum, eine Flasche, eine Karte – und am Ende nur Sonne.“

Daniel legte den Arm um sie.
„Aber wir werden uns daran erinnern.“

Lukas sah hinaus auf den Bodensee, der friedlich glitzerte.
„Manchmal reicht das.“

Und während die Sonne weiter über dem See stand, wussten sie alle:
Es war kein Gold gewesen – aber es hatte sich trotzdem gelohnt.

Es war einer dieser Bodensee-Tage, an denen alles nach Urlaub aussieht: klares Licht, ein bisschen Wind, und im Hafen von Bregenz dieses leise, geschäftige Summen von Menschen, die einfach nur raus aufs Wasser wollen.

Thomas kaufte die Tickets, während seine Frau Anna am Steg stand und dem Ausflugsschiff nachsah, das gerade anlegte. „Genau so eines“, sagte sie und lächelte. „So ähnlich bin ich früher schon einmal gefahren.“

„Wann denn?“ fragte Thomas, als sie an Bord gingen, vorbei an den Sitzreihen und dem Duft nach Sonnencreme und frischem Kaffee aus dem Bordkiosk.

Anna zögerte kurz, als würde sie überlegen, ob die Geschichte zu banal ist. „Vor Jahren. Ich war damals mit Freundinnen unterwegs. Und… ich hab dort mein altes Handy verloren. Ein richtiges Ur-Teil. Tasten, kleines Display, kaum Kamera. Ich hab’s ewig gesucht – ohne Chance.“

Thomas lachte. „Und jetzt? Willst du es noch einmal finden?“

„Nein“, sagte Anna, „aber jedes Mal, wenn ich so ein Schiff sehe, denk ich dran.“

Sie setzten sich zunächst aufs Oberdeck. Der Motor brummte, die Wellen zeichneten silberne Linien, und Bregenz wurde langsam kleiner. Anna genoss den Blick – bis ihr Blick an einer Stelle hängen blieb, weiter hinten, nahe einer Ecke beim Übergang zum Innenraum. Dort war eine kleine, dunkle Öffnung im Bodenbereich zu sehen, eher wie ein Spalt, den man sonst ignoriert.

„Warte mal“, murmelte sie.

„Was ist?“ Thomas beugte sich vor.

Anna stand auf, ging ein paar Schritte und kniete sich hin. Sie schaute genauer hin, als hätte sie diese Ecke schon einmal gesehen – nur aus einer anderen Zeit. Dann streckte sie vorsichtig die Hand aus, tastete in die Öffnung hinein und zog sie wieder zurück.

„Da ist… etwas.“

Thomas trat näher. „Du machst Witze.“

Anna schob den Arm noch einmal hinein, diesmal tiefer, als würde sie genau wissen, wohin. Sekunden später zog sie die Hand heraus – und darin lag ein kleines, verkratztes altes Handy, staubig, aber unverkennbar. Ein Modell, das heute schon fast wie ein Museumsstück wirkt.

Anna starrte darauf, als müsste sie erst beweisen, dass es wirklich echt ist. Dann lachte sie einmal kurz auf – und gleichzeitig standen ihr Tränen in den Augen.

„Das ist meins“, sagte sie leise. „Schau… da ist noch der Aufkleber. Den hab ich damals draufgeklebt.“

Thomas schüttelte ungläubig den Kopf. „Das kann nicht sein. Wie lange ist das her?“

„Bestimmt zehn Jahre“, flüsterte Anna, als hätte sie selbst Angst, dass die Zahl alles kaputtmacht.

Sie wischte den Staub mit dem Ärmel ab, drehte das Telefon in der Hand, als würde sie ein längst verlorenes Stück ihres Lebens zurückbekommen. Natürlich ging es nicht mehr an. Aber das war plötzlich egal. Es war nicht Technik, die sie da gefunden hatte – sondern eine Erinnerung, die irgendwo zwischen den Brettern und den Jahren stecken geblieben war.

Als sie wieder zu ihrem Platz zurückging, hielt Anna das Handy fest umschlossen, als könnte es sonst wieder verschwinden.

„Weißt du“, sagte sie und schaute hinaus auf das Wasser, „ich dachte immer, solche Sachen sind einfach weg. Für immer.“

Thomas legte den Arm um sie. „Offenbar nicht am Bodensee.“

Und während das Ausflugsschiff ruhig weiter über den See glitt, fühlte sich dieser Tag für Anna nicht mehr wie ein normaler Touristen-Ausflug an. Eher wie ein kleiner Beweis, dass manche Geschichten – egal wie alt – manchmal doch noch ein überraschendes Ende finden.

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Ort: Stadt Basel, Kanton Basel-Stadt

Basel ist ein architektonisches Laboratorium, in dem mittelalterliche Klöster neben avantgardistischen Bauten weltberühmter Architekten stehen. Dieser Dialog der Epochen ist das Markenzeichen der Stadt.

Der Münsteraner Dom (11.–15. Jahrhundert) bildet den Grundstein. Seine romanischen Bögen, gotischen Fenster und Renaissance-Türme schaffen eine einzigartige Mischung. Der Domfriedhof ist der letzte noch genutzte Friedhof im Zentrum einer europäischen Stadt.

Das 19. Jahrhundert brachte Basel eine Verbindung von Klassizismus und Eklektizismus: Rathaus, Theater und Universitätsgebäude. Besonders beeindruckend ist das Hauptgebäude der Universität mit seinen Fassadenfresken, die Wissenschaft und Kunst darstellen.

Das 20. Jahrhundert war das Zeitalter der Moderne. Das Hansarobbinhaus (1920er Jahre) ist eines der ersten Beispiele für Funktionalismus in der Schweiz. Das Bruderholz-Krankenhaus ist Le Corbusiers Meisterwerk, auch wenn er es nicht selbst vollendete.

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Lage: Altstadt, Großbasel und Kleinbasel

Die Basler Altstadt vereint zwei Welten: das mittelalterliche Großbasel mit seinem Münster und Rathaus und das beschaulichere, aber lebendige Kleinbasel mit seinen engen Gassen und Kneipen. Gemeinsam bilden sie ein einzigartiges Stadtbild, in dem die Epochen nicht aufeinanderprallen, sondern sich ergänzen.

Das Basler Münster dominiert das Panorama. Seine roten Türme sind schon von Weitem sichtbar. Im romanisch-gotischen Stil erbaut, vereint es Elemente aus dem 11. bis 15. Jahrhundert. Vom Georgsturm aus bietet sich ein herrlicher Blick auf den Rhein, die Vogesen und den Schwarzwald.

Das Rathaus am Marktplatz ist ein leuchtend rotes Gebäude mit goldenen Fresken. Es ist Regierungssitz, kann aber besichtigt werden, insbesondere der Ratssaal mit seinen allegorischen Gemälden.

Die Straßen der Altstadt gleichen Seiten der Geschichte: die Gerbergasse mit ihren Handwerkerschildern, der Käfigturm, das Spalenbergviertel. Mit ihrem Kopfsteinpflaster bewahren sie die Atmosphäre des Mittelalters.

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Lage: Der Rhein, der durch das Zentrum von Basel fließt

Der Rhein ist in Basel mehr als nur ein Fluss; er ist die Achse der Stadt, ihre Grenze und ihr verbindendes Element. Er teilt die Stadt in Großbasel (das linke Ufer, die historische Altstadt) und Kleinbasel (das rechte Ufer, ein Arbeiterviertel mit kreativem Flair).

Die wichtigste Brücke ist die Mittlere Brücke, erbaut 1225. Sie war die erste Steinbrücke über den Rhein und der Schlüssel zum wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt. Heute ist sie eine Fußgängerzone, ein beliebter Ort zum Flanieren und Treffen.

Die Basler scherzen: Wer nachts von der Mittleren Brücke stürzt, ist kein echter Basler. Tatsächlich ist die Brücke ein Symbol des Wandels: von der Vergangenheit in die Zukunft, von Ordnung ins Chaos, von der Schweiz nach Europa.

Im Sommer verwandelt sich der Rhein in einen Badesee. Tausende Menschen lassen sich mit einem „Wickelfisch“ – einem wasserdichten Beutel voller Kleidung – von der Wettsteinbrücke zur Rheinhalle flussabwärts treiben, eine Strecke von etwa 2 km. Es ist ein lokaler Brauch, ähnlich wie Fondue oder Fasnacht.

Die Ufer sind gesäumt von Stränden, Bars und Kunstinstallationen. Besonders beliebt ist der Dreiländergarten, ein Park auf dem Gelände ehemaliger Befestigungsanlagen, von dem aus man drei Länder sehen kann: die Schweiz, Deutschland und Frankreich.

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Ort: Basler Stadtzentrum, Marktplatz und Freie Straße

Die Fasnacht in Basel ist der einzige protestantische Karneval der Welt und eines der ungewöhnlichsten Feste Europas. Sie beginnt pünktlich um 4:00 Uhr morgens am Montag nach Aschermittwoch. Dann erlöschen alle Straßenlaternen, und Tausende maskierte und mit Laternen behängte Teilnehmer füllen die Straßen zu den Klängen der Guggenmusik.

Das Hauptsymbol ist die Laterne, die an einer Stange getragen wird. Traditionell wird sie mit einer satirischen Szene bemalt, die aktuelle Ereignisse darstellt: Politik, Weltgeschehen oder lokale Skandale. Diese Laternen werden später im Historischen Museum Basel ausgestellt.

Die Teilnehmer tragen oft handgefertigte Masken (Larven) und Kostüme in einer bestimmten Farbgebung, abhängig von der jeweiligen Klika. Einige Klikas existieren bereits seit dem 19. Jahrhundert und geben ihre Kostüme von Generation zu Generation weiter.

Musik ist das Herzstück der Fasnacht. Orchester mit 20 bis 50 Musikern spielen Trompeten, Trommeln und Helikon und präsentieren verzerrte Versionen bekannter Melodien. Der Klang ist laut, chaotisch und doch hypnotisch.

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Standort: Paul-Sacher-Anlage, 4002 Basel

Am linken Rheinufer, im Stadtteil St. Alban, befindet sich eines der dichtesten Museumsviertel der Welt – das Museumsufer. Über zehn Museen, jedes ein architektonisches und inhaltliches Meisterwerk, drängen sich auf einem Radius von 500 Metern.

Das berühmteste ist das Kunstmuseum Basel, das älteste öffentliche Kunstmuseum der Welt (gegründet 1661). Seine Sammlung umfasst sechs Jahrhunderte: von Holbein dem Jüngeren über Picasso bis hin zu zeitgenössischen Schweizer Künstlern. Der 2016 eröffnete Neubau wurde vom Schweizer Architekturbüro Christ & Gantenbein entworfen und zeichnet sich durch einen strengen Betonminimalismus aus.

Ganz in der Nähe liegt das Tinguely Museum, das dem Bildhauer Jean Tinguely gewidmet ist. Das Gebäude wurde von Mario Botta entworfen: ein Backsteinzylinder mit Kegeldach, in dem sich kinetische Skulpturen bewegen, knarren und Geräusche erzeugen. Kinder sind begeistert – es ist ein lebendiges Museum.

Gegenüber befindet sich das Museum für Gegenwartskunst, das erste Museum der Schweiz, das sich ausschließlich der modernen und zeitgenössischen Kunst widmet. Es zeigt Werke von Börge Mohr, Damien Hirst und lokalen Stars wie Thomas Demanda.

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Strecke: Kleine Scheidegg → Jungfraujoch, Kanton Bern

Die Jungfraubahn ist mit 3.454 m die höchstgelegene Bahnstrecke Europas. Sie wurde 1912 erbaut und durchquert den Eiger. Durch in den Gletscher gehauene Tunnel gelangt man zum „Top of Europe“.

Die Strecke beginnt in der Kleinen Scheidegg, die von Interlaken aus erreichbar ist. Schon von Beginn an sind drei Giganten zu sehen: Eiger, Mönch und Jungfrau. Mit zunehmender Höhe wird die Landschaft immer schroffer und majestätischer.

Auf 3.160 m Höhe erreicht der Zug die Station Eigerwand, wo er fünf Minuten hält. Durch Glasfenster in der Felswand kann man hier die Bergsteiger beim Aufstieg an der Eiger-Nordwand beobachten.

Endstation ist das Jungfraujoch: ein Eispalast, die Aussichtsplattform Sphinx, ein Schweizer Schokoladengeschäft und natürlich der Blick auf den mächtigen Aletschgletscher, ein UNESCO-Welterbe.

Die Bahn fährt auf einem Zahnradsystem und überwindet Steigungen von bis zu 25 %. Die Ingenieure nannten sie damals ein „verrücktes Projekt“, doch heute ist sie ein Symbol für Schweizer Präzision.

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Strecke: Locarno → Domodossola (Italien), Kanton Tessin

Die Centovalli-Bahn („Hundert Täler“) ist eine der romantischsten und zugleich unbekanntesten Bahnstrecken der Schweiz. Sie verläuft entlang der Grenze des Kantons Tessin und verbindet den Lago Maggiore mit den italienischen Alpen durch enge Schluchten, vorbei an Wasserfällen und mittelalterlichen Dörfern.

Der Schmalspurzug verfügt über große Fenster und Holzsitze. Er fährt gemächlich und hält häufig an Bahnhöfen mit klangvollen Namen wie Intragna, Borgnone und Verdasio – jeder einzelne ein Postkartenmotiv.

Die 52 Kilometer lange Strecke führt über 83 Brücken und durch 32 Tunnel, von denen viele in den Fels gehauen sind. Besonders schön sind die Ronco-Wasserfälle, an denen der Zug nur wenige Meter entfernt vorbeifährt – die Gischt spritzt direkt gegen die Scheiben.

Centovalli ist das „Schweizer Italiens“: Hier spricht man Italienisch, die Häuser haben Balkone mit Geranien geschmückt, und an den Bahnhöfen werden Kastanienhonig und Polenta verkauft.

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Route: Luzern → Montreux, Kantone Luzern, Oberland, Freiburg, Waadt

Die GoldenPass-Linie besteht nicht aus einem einzigen Zug, sondern aus drei miteinander verbundenen Strecken, die durch das Herz der Schweizer Idylle führen: vom Vierwaldstättersee über Almwiesen bis zum Genfersee. Jede Etappe bietet eine neue Landschaft.

Der erste Abschnitt, Luzern → Interlaken, führt durch die Ausläufer der Alpen, vorbei an Wasserfällen und alten Klöstern. Besonders reizvoll sind hier die Täler des Emmentals und des Oberlandes, wo Kühe an den Hängen grasen und man den Blick auf Eiger und Jungfrau genießen kann.

Der zweite Abschnitt, Interlaken → Montreux, ist der malerischste. Der Zug erklimmt den Sonderpass (1.277 m) und bietet Panoramablicke auf die Alpengipfel und das Simmental mit seinen traditionellen Bauernhöfen.

Das Highlight der Strecke ist der GoldenPass VIP-Panoramazug mit drehbaren Sitzen, die der Landschaft folgen, und einem Glasdach. Aber auch in einem Standardwagen sind die Ausblicke atemberaubend.

Die Strecke führt durch Gstaad, einen eleganten Ferienort, wo der Zug langsamer fährt, damit die Fahrgäste die Holzchalets und Schokoladengeschäfte bewundern können.

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